Geschichte

Wie in England der Rudersport und die sportlichen Konkurrenzen aus den Gemeinschaften der berufstätigen Wassermen hervorgegangen waren, so ist bei uns das Wasserfahren aus den Schiffleutezünften entstanden. Die berufsmässigen Organisationen der Schiffer begann in Zürich schon 1339 und in Basel 1354. Diese Schiffer besorgten fast den gesamten Warentransport und jenen der Pilger, die nach Einsiedeln und Zurzach kamen. Fernfahrten auf dem Rhein waren keine Seltenheit. Noch während des Konzils 1433 zirkulierte das geflügelte Wort, die Teilnehmer könnten liegend von Byzanz bis zur Basler Schifflände fahren. Die Aufnahme in die Zünfte war streng und es waren fachliche und sportliche Aufnahmeprüfungen zu absolvieren. Die Zürcher Schifferleutezunft bestand aus zwei Sektionen, nämlich jener Eignung, welche auf dem Oberwasser (Zürchersee) ihren Dienst versah und der Niederwasserschifffahrt, die bis Basel und Strassburg den Verkehr besorgte.

Die Zürcher Schiffer bewiesen schon bei ihrer Schifffahrt zu einem Freischiessen in Strassburg 1456 mit einer Hirsebreifahrt ihr sportliches Können, bewältigten sie doch die Strecke Zürich-Strassburg, für die man sonst vier Tage benötigte, innert zwanzig Stunden. Berühmter geworden ist die zweite Hirsebreifahrt von 1576. Die Strassburger, mit der Eidgenossenschaft befreundet, beklagten sich, dass dieses Bündnis erkaltet sei. Ihnen zu beweisen, dass man im Ernstfall rasch Hilfe bringen könne, starteten am 20. Juli 1576 beim Helenhaus 54 Zürcher und ruderten den in heissen Sand gestellten metallenen Hirsebreitopf innerhalb der Rekordzeit von 18 Stunden nach Strassburg, ehe der Brei erkalten konnte. Zum selben Fest kamen damals wenige Tage später auch 30 Basler.

Im Gegensatz zum Rudern, bei dem zur Fortbewegung als einziges Mittel das Ruder dient, wird beim Wasserfahren in Weidlingen und Pontons neben dem Ruder auch der Stachel verwendet. Das Wasserfahren wird vorab auf fliessendem Gewässer ausgeübt. Flussabwärts nennt man es Talfahrt, wo das Ruder zur Anwendung kommt, flussaufwärts Bergfahrt, wo dann der Stachel zur Anwendung kommt. Dazu kommen Überfahrten über einen Fluss oder Strom, wobei ein Ziel angesteuert werden muss. Bei Talfahrten wird der Ruder auch zur Steuerung verwendet. Gerudert wird stehend. Die Ruder werden entweder mit einer Strickschlaufe am Boot befestigt oder aber das Ruder nur am Ruhnagel angelegt. Der erste Wasserfahrveiein, der Limat-Club Zürich, wurde 1869 aus der Taufe gehoben. 1880 spaltete sich aus diesem Verein die Pontoniere ab, die mehr militärische Vorbildung bezwecken, während die Wassserfahrer mehr sportlichen Zwecken dienen. Zu den ältesten Pontoniervereinen gehören Bern (1877), Aarau und Aarburg (1880), Schaffhausen (1881), Basel-Breite (1882) und Basel-Genie (1887).

Wasserfahrvereine am Rhein in Basel: Rhein-Club Basel (1883), Fischer-Club Basel (1884), Rhenania-Basel (1895),       St. Alban (1905), Horburg (1907) und Nautischer-Club Basel (1916), Rhywälle (1934).

Anfänglich spielten in diesen Gesellschaften ausser Ruderwettbewerben noch nautische Spiele eine Rolle. Zu Pfingsten machen viele Sektionen Fernfahrten etwa nach Köln, Amsterdam auf der Rhone abwärts, ja sogar auf dem Po in Italien und der Donau.